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| Ständig
auf Achse. Die Leiden moderner Nomaden. Im Ausland studieren,
für den Job den Ort wechseln, immer wieder von Neuem anfangen. Heute
Oslo, morgen Osaka - die Beschleunigung der Prozesse in der Arbeitswelt
zwingt immer mehr Menschen zu einer Existenz als Job-Nomaden. Bis
in die
siebziger
Jahre galt es als verwerflich, nicht sesshaft zu sein. Wer ohne festen
Wohnsitz war, wurde als defizitär betrachtet. Er war ein Vagabund.
Inzwischen hat sich das geradezu umgekehrt: Wer immer am selben Ort
klebt, wird stigmatisiert. Es wird erwartet, dass Menschen bereit sind,
für den Job umzuziehen, und dass sie auch mal im Ausland gelebt haben.
Warum der
heutige Zwang zur Mobilität belastet. mehr |
Zeit
und Gefühl- Die Gegenwart schrumpft Die
Halbwertszeit des
sozialen
Wissens schrumpft derzeit so schnell, dass wir uns ständig mit seiner
Aktualisierung beschäftigen müssen, seien es Adressen, Telefonnummern,
Passwörter, Parteiprogramme, die Bedienung von Computerprogrammen oder
technischen Geräten. Das führt zu einer Gegenwartsschrumpfung, die vor
allem älteren Menschen Probleme bereitet: Alte Menschen sind heute
diejenigen, die sich nicht in die Stadt trauen, weil sie nicht wissen,
wie der Fahrkartenautomat funktioniert. Alter wird entwertet, weil
Erfahrung entwertet wird. Es gibt nicht mehr den weisen Alten, der
weiß, wie die Dinge laufen. mehr | 
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| Weihnachten
hat einen ganz festen
Termin Die Idee von Weihnachten steht wie ein Block
in unserer
Zeitstruktur. Denn beim kirchlichen Verständnis des Festes treffen alle
drei Phänomene nicht zu: Weihnachten hat einen ganz festen Termin. Und
es gibt nichts zu beschleunigen. Vielleicht noch die Vorbereitung, aber
die Zeit vom Heiligen Abend bis zum Zweiten Weihnachtsfeiertag ist
immer gleich. Und vor allem gibt es keine Innovationen. Manche werfen
genau das der Kirche vor: Sie erzählt seit 2.000 Jahren das Gleiche.
Aber das ist genau kein Mangel. Das ist eine Zeitressource, die für uns
gehetzte Menschen sehr wertvoll sein könnte. mehr |
Wir
wissen nicht mehr, was wir alles haben Ewig
lockt die Hoffnung, von der nächsten CD, dem nächsten Täschchen nicht
mehr enttäuscht zu werden: Diese eine CD brauche ich noch, dann habe
ich endlich das Ultimative, dann ist meine Sammlung komplett. Dem
Heimwerker fehlt immer ausgerechnet noch diese Hobelbank, dann hat er
eine Vollständigkeit erreicht. Die wird aber nie erreicht. Wir wissen
am Ende gar nicht mehr, was wir alles haben. Auch kaufen wir häufig
nur, um unsere Optionen zu erweitern. Eine Kamera, die mehr
Handlungsspielräume eröffnet als die alte. Ein superschneller
Internetanschluss, der mehr ermöglicht als der alte. Aber warum ist
Optionensteigerung interessant? mehr | 
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| Urlaub, endlich Urlaub - raus
aus
dem Hamsterrad Statt Erholung gibt es im
Urlaub häufig
zusätzlichen Stress. Urlaub, endlich Urlaub - raus aus dem Hamsterrad
und rein in den Flieger: In den zwei, drei Wochen, für die man viel
Geld bezahlt hat, muss man sich jetzt ganz besonders gut erholen. Wer
denkt nicht so voller Vorfreude? Doch damit hat man sich schon wieder
unter Druck gesetzt, und die Enttäuschung ist bei vielen programmiert,
wie Experten warnen. Denn im Sommerurlaub lässt sich nicht ausbügeln,
was während des ganzen Jahres im Argen liegt. Der Augenblick, von dem
man mit Goethes Faust sagen möchte "Verweile doch, du bist so schön",
stellt sich nicht ein, wenn man faul in der Wellness-Oase liege, mit
Gurkenscheiben auf den Augen.
mehr |
Doping
am Arbeitsplatz Doping gibt es auch am Arbeitsplatz.
Stress und Leistungsdruck treiben viele Menschen dazu, mit Pillen
gegen die Belastungen vorzugehen - oder sich noch mehr Leistung
abzufordern.
Ein bis zwei Prozent der Erwerbstätigen nehmen gezielt Medikamente ein,
um ihre Performance zu verbessern - das entspricht 400.000 bis 800.000
Menschen. Dass sich Arbeitnehmer dopen, sei in der heutigen Arbeitswelt
kein Wunder, warnen Ärzte und Psychologen. Die Menschen arbeiten viel
mehr als vereinbart und erleben Stress, Termindruck sowie die mangelnde
Unterstützung von Vorgesetzten - das führt leicht an die Grenze des
Machbaren. mehr | 
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| Wie
lang ist die Gegenwart? Oft verrät
die Sprache etwas über die unbewussten Konzepte. Manchmal sprechen wir
über die Zeit, als hätten wir sie wie ein Ding in der Hand, als könnten
wir sie sparen, formen, beeinflussen oder sonst etwas mit ihr tun. "Man muss dieZeit nutzen", "Zeit ist
Geld", "Schneller ist besser als langsam", "Zeit kann man haben, sparen
oder vertrödeln": Diese und andere Zeitvorstellungen sind uns nicht
angeboren,sondern werden schon früh im Leben erlernt. Sie erscheinen
uns aber so selbstverständlich, als ob sie naturgegeben seien. Die
meisten Zeitprobleme lassen sich deshalb nicht durch Zeitmanagement
lösen, weil wir nur an der Oberfläche etwas verändern, die
darunterliegenden Antreiber jedoch bleiben uns meistens verborgen. mehr |
"Der Zeitstrudel reißt uns
immer
mehr in die Tiefe" Wir müssten Zeitmillionäre
sein: Alles
geht schneller: Mikrowelle, Computer, E-Mail - wir sparen uns heute
überall Zeit und haben dennoch keine. Die Revolution in der Technik hat
den Alltag beschleunigt. Das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes. Die
Waschtage von früher zu romantisieren, wäre frivol. Doch ist die
Beschleunigung teuer erkauft: Mit der permanenten Furcht, nicht "up to
date" zu sein. Dem Zwang, immer auf den neuesten Zug aufspringen zu
müssen. Man braucht plötzlich Dinge, von denen man gar nicht wusste,
dass sie einem fehlen. Elektrische Messer oder Zahnbürsten. mehr | 
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| Beschleunigung: "Unlösbares
Dilemma für die
Politik" Die Diagnose lautet, dass der Prozess
der Demokratie zeitaufwendiger wird, weil die Gesellschaft
pluralistischer und heterogener wird. Es gilt die unterschiedlichsten
Positionen
abzuklären. Der Konsens wird schwieriger, die Prozesse werden komplexer
und schneller. Das ist ein Dilemma für die Politik, das praktisch
unlösbar wird. Politik verliert ihre
Schrittmacherfunktion. Sie reagiert nur noch auf Bewegungen und
Veränderungen anderswo. Noch bis in die Siebzigerjahre begründete man
politische Reformen damit, dass man die Gesellschaft besser machen
wolle. Heute gilt dieses Argument nicht mehr. Es heißt nur: "Wenn wir
das nicht machen, werden wir abgehängt." Man braucht immer mehr Energie
allein dafür, dass die Dinge nicht schlechter werden. mehr |
Ein Grundeinkommen würde große Zeitreserven schaffen. Ein
politisches Steuerungselement, das man versuchen sollte, wäre das
Grundeinkommen, weil die Beschleunigungsdynamik über das
Wettbewerbsprinzip angetrieben wird. Wenn man den Menschen ein wenig
von dem Druck nimmt, könnte man tatsächlich große Zeitreserven
gewinnen. In einem Wettbewerb gilt nicht umsonst der Satz: Die
Konkurrenz schläft nie! Wer nicht rennt in irgendeiner sozialen
Dimension, rutscht automatisch schon zurück. Wenn Sie sich gerade nicht
um die Verbesserung Ihrer Fremdsprachenkenntnisse bemühen, oder um die
Ausstattung Ihres Computers, dann rutschen Sie schon zurück, verlieren
tendenziell an Wettbewerbsfähigkeit. mehr | 
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| In
diesem atemlosen System hat jeder Angst, dass er abrutscht Die
Gesellschaft der Moderne kann nur stabil sein, wenn sie sich
beschleunigt. Das unterscheidet sie von allen anderen Zivilisationen
der Geschichte. Wir sollten unbedingt die Idee eines solidarischen
Bürgergelds ausprobieren. Man sagt immer: Die Gier treibt die Menschen
an. Das ist eine Fehleinschätzung. Es ist die Angst. In diesem
atemlosen System hat jeder Angst, dass er abrutscht. Diesen Mechanismus
könnte man mit einem Grundeinkommen außer Kraft setzen. Wir befinden uns in einem
riesigen
kollektiven Hamsterrad, da gibt es nicht die Möglichkeit zu sagen, ich
laufe langsamer. Im Hamsterrad wird man zermahlen oder man fällt raus
und wird zwangsentschleunigt, zum Beispiel durch
Arbeitslosigkeit.
mehr |
Ohne
Stabilität keine Bewegung Flexibilität und Mobilität
sind nur funktional in einer im Wesentlichen stabilen Welt. Es kann
erfolgreich und funktional sein, wenn die Spitzenmanager in einem
globalen Rotationssystem Firmen und Länder wechseln. Wenn sich die
Firma aber aufgelöst hat, wenn die Manager am neuen Arbeitsort
ankommen, ist die dynamische Bewegung in einen Prozess des chaotischen
Zerfalls übergegangen. Die totale
Mobilmachung, die heute vielerorts gefordert wird, ist ein
selbstzerstörerischer, dysfunktionaler Prozess. Wie viel Mobilität
verkraftet diese Gesellschaft? Soziologen diagnostizieren eine
schwerwiegende Diskrepanz zwischen Demokratie und schrankenloser
Mobilität. Es ist unmöglich, eine demokratische Öffentlichkeit zu
organisieren, wenn sie dauernd umzieht. mehr | 
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| Ticken
wir noch richtig? Zeit ist Geld - also muss
immer mehr
Leistung, immer mehr Nutzen in immer weniger Zeit erbracht werden. Und
der Preis für diesen allgemein messbaren Erfolg oder Misserfolg? Zum
Beispiel, dass das, was wir Arbeit nennen, von den alten Griechen eher
als Sklavenarbeit bezeichnet worden wäre. Und gleichzeitig: Dass nach
diesem Muster nicht nur viel Fragwürdiges, sondern auch
Arbeitslosigkeit produziert wird. Da die einen, die arbeiten und
arbeiten, sich mithin alles kaufen könnten, aber leider für nichts Zeit
haben; dort die anderen, die jede Menge Zeit, aber leider keinen Job
und mithin kaum Geld haben. Einerseits hängt es mit der Ideologie des
Kapitalismus zusammen, dass der Wert des Menschen durch Arbeit
definiert wird; zugleich liegt die innere Logik des Kapitalismus in
positiver Hinsicht in der Entlastung der Menschen von Arbeit. mehr |
Und
am 7. Tag sollst Du ruhen ... Das Hamsterrad per se lässt sich nicht
stillstellen. Das ist wie beim Sonntag. Selbst für Leute, die
bewusst nicht einkaufen, erhöht sich der Stresslevel, wenn die
Geschäfte offen sind, denn sie könnten ja eigentlich... Oder sie müssen
zumindest etwas machen, was genauso wertvoll ist. Der gefühlte Druck,
dass man die Zeit sinnvoll verwenden muss, steigt mit der Zahl der
Optionen. Soziologen
meinen,
auch jenseits
aller religiösen Empfindungen gebe es gute Gründe für die
Sonntagsruhe. Wenn wir richtig konsumieren wollen, brauchen wir
nicht nur Tage zum
Kaufen, sondern auch zum Genießen. Wenn ich ein Klavier kaufe,
brauche ich auch Zeit,
es in Ruhe zu spielen. mehr | 
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| Der
entschleunigte Mensch Dass nun immer mehr Menschen die Zeit
verzögern, entschleunigen wollen, liegt aus Sicht des Vereins zur
Verzögerung der Zeit in der veränderten Einstellung der nachfolgenden
Generation: Junge Menschen sind fit, weltoffen, neugierig. Sie
wollen nicht mit Mitte 30 ausgebrannt und mit psychischen Problemen zu
Hause sitzen, nur weil sie über Jahre jede Woche 65 Stunden gearbeitet
haben. Das hat nichts mit fehlender Belastbarkeit oder gar Faulheit zu
tun. Sie leben nicht mehr ausschließlich für die Firma, sondern möchten
Freundschaften pflegen und Partnerschaften eingehen. Sie trauen sich zu
sagen: Diesen Stress mache ich nicht mehr mit. mehr |
Muße
braucht Zeit Das Problem ist, dass wir
ständig das
Gefühl haben, Zeit sei kostbar und dass sich deshalb jede Aktivität
rechtfertigen müsse. Wenn ich mir vornehme, heute mal zu Hause in Ruhe
ein Buch zu lesen, dann gäbe es da auch hundert andere Optionen:
fernsehen, im Internet surfen, Mails checken? Das heißt: Wenn ich lese,
muss ich zugleich das Gefühl haben, dies sei die nützlichste, die
sinnvollste Verwendung meiner Zeit. Deshalb gehen Menschen etwa auf
eine einsame Berghütte oder drei Wochen ins Kloster, wo die Zahl
möglicher Optionen extrem reduziert ist. Wir müssen uns wieder an die
Kulturtechniken der Muße erinnern. Manchmal geschieht das durch Glück,
manchmal auch durch ein Unglück, wenn etwa ein Sturm einen ganzen
Bahnhof lahmlegt. mehr
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| Raus
aus dem Hamsterrad Die Probleme, die wir moderne Menschen
mit der Zeit haben, sind nicht durch individuelle Strategien
bewältigbar. Man kann ein Kulturproblem nicht durch bessere
Managementtechniken lösen. Natürlich kann man sich bewusst machen, dass
man unter dem Impuls steht, dauernd etwas tun zu müssen. Die alte Kunst
des Spazierengehens, die etwas anderes ist als Joggen oder Bergwandern,
wo man sich Ziele setzt, die bald an schneller, weiter, höher erinnern.
Spazierengehen, bewusst eine Landschaft wahrnehmen, ist eine sehr
interessante Erfahrung. Wahrzunehmen, was für ein Unterschied es ist,
ob ich einen Weg laufe in der Absicht zur Arbeit zu gehen oder einen
Einkauf zu tätigen, oder ob ich ihn gehe ohne ein bestimmtes Ziel. mehr |
Das Leben
lässt sich nicht in funktionale Scheibchen
teilen Die Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel
über ihr Buch
"Brief an mein Leben", in dem sie ihr Burnout beschreibt und über die
gesellschaftlichen Ursachen der seelischen Erschöpfung: "Es war
wirklich hart und mit viel Schmerz verbunden, körperlichem sowie
seelischem
Schmerz. Ich war nicht immer sicher, dass ich aus dem dunklen Loch
herausklettern
würde. Auf all das hätte ich sehr gern verzichtet und ich glaube, ein
Großteil meiner Umwelt auch. Ich war in der Situation eine echte
Zumutung. Aber wenn es mir gelingt, nicht wieder zurückzurutschen ins
Loch, dann habe ich wirklich etwas gewonnen." mehr | 
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 | Warum
uns ständig die Zeit knapp wird Wohin geht
die Zeit,
die wir
sparen? Moderne
Gesellschaften sind ungeheuer effizient im Zeitsparen. Es gibt
praktisch kein technisches Gerät, das diese Funktion nicht erfüllen
soll. Es ist aber auch so, dass wir viel Zeit haben - etwa Freizeit.
Wir tun mehr - in unserer Arbeits- wie in
unserer Freizeit. Wir befinden uns in einer seltsamen Mischlage.
Einerseits sind wir total frei - in dem, was wir tun, kann uns niemand
etwas vorschreiben. Andererseits leben wir in einem gnadenlosen
Hamsterrad. Und fast alles, was wir tun, rechtfertigen wir mit der
Semantik des Müssens. Wir müssen uns um einen neuen Telefontarif
kümmern, wir müssen die Steuern machen ... So kann es bis zu einer
Ununterscheidbarkeit von Freiheit und Zwang kommen. mehr |
Die
Finanzkrise als
Beschleunigungsunfall Die permanente Beschleunigung
wird immer
mehr zu einem Problem für Mensch und Gesellschaft. Auch die Finanzkrise
ist letztlich vor allem ein Beschleunigungsunfall. Man kann in
Sekundenbruchteilen kaufen und
verkaufen, aber nicht produzieren und konsumieren. Das hat zu der
bekannten und fatalen Entkopplung von Finanzmärkten und Realökonomie
geführt mit dem Ergebnis einer zunächst massiven Finanz- und dann einer
Wirtschaftskrise. Die Ökonomie als Wissenschaft trägt eine gewaltige
Mitschuld an dem Desaster. Und nun sollen ausgerechnet die ganzen
Experten die Krise lösen, die sie mit verursacht haben. Da kommt einem
schon das Wort vom Bock in den Sinn, der zum Gärtner gemacht wird. Die
große Gefahr ist, dass es so weiter geht wie zuvor.
mehr |  |

| Wissenschaft
im Hamsterrad
- über die Publikationsflut Der
Soziologe Hartmut Rosa glaubt, dass der wissenschaftliche Betrieb
inzwischen darunter leidet, dass wir uns alle in einem immer
erbarmungsloseren Hamsterrad bewegen. Das uns dazu zwingt, schnell zu
publizieren und das bedeutet automatisch und notgedrungen auch schnell
zu rezipieren. Man kann nur noch sehr selektiv lesen oder man muss in
immer kürzeren Zeiten das verarbeiten, was andere in immer kürzeren
Zeiten schreiben. Auch die Gutachter haben kaum noch Zeit. Sie lesen
ganz schnell, sie gutachten ganz schnell, dadurch verbessert sich
nichts, weder die Qualität der Zeitschriften noch die Qualität der
Forschung oder die Qualität der Diskussion. mehr |
Zwangspausen
als Chance
nutzen Immer mehr Menschen kommen sich unnütz vor,
wenn sie
nicht den ganzen Tag unter Strom stehen und ständig beschäftig sind.
Warum fällt es uns heute so schwer zu warten? Dabei sind Auszeiten
absolut sinnvoll, sagt der Sozialforscher Fritz Reheis. "Wenn es eben
geht, sollte man sich längere Pausen gönnen, allein schon, um in seinem
Leben bewusst die Weichen zu stellen. Dazu müssten aber erst mal die
gesellschaftlichen Bedingungen geschaffen werden. Eine verbesserte
Zeitpolitik müsste zum Beispiel den Schutz und die Finanzierung von
Trauer- oder Sabbatjahren gewährleisten. Aber auch kurze Pausen
helfen." mehr | 
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| Burnout
bei Professoren - "Jeden Tag schuldig ins Bett" Das Hamsterrad
für Professoren dreht sich immer schneller, teils mit ruinösen Folgen
für die Menschen und die Forschung. Die Aufgabe der Wissenschaft,
Fragen zu stellen und über viele Jahre hinweg an deren Beantwortung zu
arbeiten, tritt zunehmend in den Hintergrund. Heute entfacht die
Konstruktion eines Forschungsprojektes und die Suche nach Geldgebern
mehr Leidenschaft als die Forschung selbst.
Ein Gespräch mit Hartmut Rosa über die Ursachen und mögliche
Korrekturen. mehr |
Zeitforscher
hält Kunst für Entschleunigungsmittel Kunstwerke haben etwas,
was Zeitforscher als Eigenzeiten häufig bezeichnen, das heißt, sie
folgen einer eigenen temporalen Logik, die entfernt ist und manchmal
weit entfernt ist von der gehetzten, atemlosen Zeit unseres modernen
ökonomischen und kulturellen Lebens in anderer Hinsicht. Auf Kunstwerke
sich einzulassen - das können Musikstücke sein, das können Bilder sein
oder andere Formen, Theaterstücke zum Beispiel - erfordert das
Eintauchen in andere zeitliche Perspektiven. Das können andere Epochen
sein, das kann aber auch die Eigenlogik eines Kunstwerks sein, die
Eigenzeit etwa eines Musikstückes. Und in der Regel sind wir dort, wo
wir uns auf solche Kunst einlassen, also im Museum oder im Konzertsaal
oder auch im Theater, auch ein bisschen stillgestellt, wir können dann
nicht. mehr | 
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| Wachstum schafft Glück!? Da
haben wir dann also das neue, schnellere Internet oder das
Multifunktionshandy, das uns lange Wege erspart - und trotzdem nicht
mehr Zeit. Kann man das verstehen? Unser Leben und unser Handeln
sind auf Steigerung angelegt. Nach der Logik unseres
Wirtschaftswachstums müssen wir jedes Jahr mehr produzieren und
konsumieren. Auch unser gesamtes Alltagshandeln ist auf die Steigerung
von Möglichkeitshorizonten ausgerichtet. Wir erleben es als Glück, mehr
zu besitzen, mehr Kontakte oder mehr Handlungsoptionen zu haben -
allein die Zeit dafür können wir nicht vermehren. Je mehr Optionen
anstehen, desto weniger Zeit bleibt. Das wäre alles kein Problem,
würden uns dabei nicht das schlechte Gewissen darüber plagen, wie wir
unsere Zeit letztlich "vergeuden". Was sagt das über uns? mehr
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