
| Ständig
auf Achse. Die Leiden moderner Nomaden. Bis in die siebziger
Jahre galt es als verwerflich, nicht sesshaft zu sein. Wer ohne festen
Wohnsitz war, wurde als defizitär betrachtet. Er war ein Vagabund.
Inzwischen hat sich das geradezu umgekehrt: Wer immer am selben Ort
klebt, wird stigmatisiert. Es wird erwartet, dass Menschen bereit sind,
für den Job umzuziehen, und dass sie auch mal im Ausland gelebt haben.
Warum der
heutige Zwang zur Mobilität belastet. Ein Interview über die Kehrseite
des modernen Vagabundentums. mehr |
Zeit
und Gefühl- Die Gegenwart schrumpft Die
Halbwertszeit des
sozialen
Wissens schrumpft derzeit so schnell, dass wir uns ständig mit seiner
Aktualisierung beschäftigen müssen, seien es Adressen, Telefonnummern,
Passwörter, Parteiprogramme, die Bedienung von Computerprogrammen oder
technischen Geräten. Alte Menschen z.B. sind heute diejenigen, die sich
nicht in die Stadt trauen, weil sie nicht wissen, wie der
Fahrkartenautomat funktioniert. mehr | 
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| Weihnachten
hat einen ganz festen
Termin Der
Jenaer Soziologe Hartmut Rosa redet sehr schnell und hat sich doch das
Thema "Langsamkeit" auf die Fahne geschrieben. Seine
Habilitationsschrift trägt den Titel "Soziale Beschleunigung. Die
Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne". Im Interview spricht er
über das "Hamsterrad" Adventszeit, dem selbst Gläubige nicht entrinnen
können. mehr |
Wir
wissen nicht mehr, was wir alles haben Warum
kluge Hedonisten den Verzicht üben - und warum nur Entschleunigung den
Blick für das Wesentliche schärft. Es gibt eine Kulturelite, die den
Fernseher abgeschafft hat. Es gibt eine Elite von Jugendlichen, die
bewusst Technikverweigerung betreibt. Sie haben keine Lust mehr. Es
gibt Aussteiger aus dem totalen Steigerungswahn. mehr | 
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| Urlaub, endlich Urlaub - raus
aus
dem Hamsterrad Man
fühlt sich im Alltag immer unter Zeitdruck, in gewisser Weise auch
fremdbestimmt und denkt, man müsse das kompensieren durch eine Phase
des Nichtstuns. Andere zimmern sich für den Urlaub ein Programm
zusammen, das sie selbst wieder atemlos werden lässt, weil sie tausend
Sehenswürdigkeiten nicht versäumen möchten, oder weil sie sehr viel für
ihre Gesundheit tun wollen. mehr |
Doping
am Arbeitsplatz Dass sich Arbeitnehmer dopen,
sei in der
heutigen Arbeitswelt kein Wunder, sagt Jörg Feldmann, Sprecher der
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund. "Die
Menschen arbeiten viel mehr als vereinbart und erleben Stress,
Termindruck sowie die mangelnde Unterstützung von Vorgesetzten - das
führt leicht an die Grenze des Machbaren." mehr | 
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| Wie
lang ist die Gegenwart? "Nichts ist so gerecht
verteilt wie die
Zeit: Jeder Mensch auf der Welt hat täglich 24 Stunden zu seiner
Verfügung." So schreibt Olaf Georg Klein in seinem Buch Zeit als
Lebenskunst. Wieso haben dann so viele Menschen das Gefühl, dass sie
nicht genug Zeit haben? Ein Gespräch mit dem Autor Olaf Georg Klein
über die Zeitstrukturen in unserem Kopf, über vergebliches
Zeitmanagement und das Ideal der Zeitsouveränität. mehr |
"Der Zeitstrudel reißt uns
immer
mehr in die Tiefe" Früher
hatten Feste wie Weihnachten die Funktion, Zeitlöcher zu schaffen.
Heute haben wir die Feste in unsere Terminkalender eingetragen. Mehr
nicht. Das Gefühl der Entschleunigung schwindet, der Zeitstrudel reißt
uns mit. Wir können uns nur entgegenstemmen, wenn wir Mut haben, unsere
Gewohnheiten in Frage zu stellen und uns auf Neues Leben einzulassen.
Gespräch mit einem Zeitforscher. mehr | 
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| Beschleunigung: "Unlösbares
Dilemma für die
Politik" Politik verliert ihre
Schrittmacherfunktion. Sie reagiert nur noch auf Bewegungen und
Veränderungen anderswo. Noch bis in die Siebzigerjahre begründete man
politische Reformen damit, dass man die Gesellschaft besser machen
wolle. Heute gilt dieses Argument nicht mehr. Es heißt nur: "Wenn wir
das nicht machen, werden wir abgehängt." Man braucht immer mehr Energie
allein dafür, dass die Dinge nicht schlechter werden. mehr |
Ein Grundeinkommen würde große
Zeitreserven
schaffen. "Wir befinden uns in einem
riesigen
kollektiven Hamsterrad, da gibt es nicht die Möglichkeit zu sagen, ich
laufe langsamer. Im Hamsterrad wird man zermahlen oder man fällt raus
und wird "zwangsentschleunigt", zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit."
Soziologieprofessor Hartmut Rosa sieht die Ursache der Wirtschafts- und
Finanzkrise in der grenzenlosen Beschleunigung unserer Gesellschaft.
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| In
diesem atemlosen System hat jeder Angst, dass er abrutscht Selbst
Führungskräfte müssen sich heute mit dem Lebensgefühl arrangieren, dass
sie die Berge auf ihrem Schreibtisch nicht mehr kontrollieren können.
Die Rationalitätsstandards sinken, es kommt zu einer neuen Form von
Außenleitung: Wer am lautesten schreit, wird bedient. Der Zeitgewinn
durch die Technik wird aufgefressen, weil die Anforderungen noch viel
schneller wachsen. mehr |
Ohne
Stabilität keine Bewegung Flexibilität und Mobilität
sind nur funktional in einer im Wesentlichen stabilen Welt. Es kann
erfolgreich und funktional sein, wenn die Spitzenmanager in einem
globalen Rotationssystem Firmen und Länder wechseln. Wenn sich die
Firma aber aufgelöst hat, wenn die Manager am neuen Arbeitsort
ankommen, ist die dynamische Bewegung in einen Prozess des chaotischen
Zerfalls übergegangen. Die totale
Mobilmachung, die heute vielerorts gefordert wird, ist ein
selbstzerstörerischer, dysfunktionaler Prozess. mehr | 
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| Ticken
wir noch richtig? Zeit ist Geld - also muss
immer mehr
Leistung, immer mehr Nutzen in immer weniger Zeit erbracht werden. Und
der Preis für diesen allgemein messbaren Erfolg oder Misserfolg? Zum
Beispiel, dass das, was wir Arbeit nennen, von den alten Griechen "eher
als Sklavenarbeit" bezeichnet worden wäre, sagt Philosoph Peter Heintel
im Gespräch. Und gleichzeitig: Dass nach diesem Muster nicht nur viel
Fragwürdiges, sondern auch Arbeitslosigkeit produziert wird. mehr |
Und
am 7. Tag sollst Du ruhen ... "Wer
keinen Rhythmus der
Wochentage hat,
wird irgendwann krank", sagt Frank Erbguth. Der Mensch ist zwar in der
Lage, diese Rhythmen zu überwinden - das ist aber auch die Gefahr: "Auf
Dauer lassen sich die biologischen Rhythmen nicht außer Kraft setzen",
sagt Erbguth, "...wir Ärzte sehen dann hohen Blutdruck,
Herzrhythmusstörungen, Schlaflosigkeit, Depressivität oder das
Burn-out-Syndrom." mehr | 
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| Der
entschleunigte Mensch "Die Zeit verzögern? Das geht
doch gar
nicht!" Den Kommentar hört Erwin Heller häufig, wenn er den Namen
seines Vereins nennt. Doch er antwortet stets: "Das mag sein. Aber alle
Welt glaubt doch auch, man könnte die Zeit beschleunigen!" Der "Verein
zur Verzögerung der Zeit" setzt sich für ein ruhigeres Leben ein. Um
wieder Zeit für sich zu gewinnen und der Beschleunigung zu entkommen,
müsse man vor allem "nein" sagen können. mehr |
Muße
braucht Zeit Das Problem ist, dass wir ständig das
Gefühl haben, Zeit sei kostbar und dass sich deshalb jede Aktivität
rechtfertigen müsse. Wenn ich mir vornehme, heute mal zu Hause in Ruhe
ein Buch zu lesen, dann gäbe es da auch hundert andere Optionen:
fernsehen, im Internet surfen, Mails checken? Das heißt: Wenn ich lese,
muss ich zugleich das Gefühl haben, dies sei die nützlichste, die
sinnvollste Verwendung meiner Zeit. Deshalb gehen Menschen etwa auf
eine einsame Berghütte oder drei Wochen ins Kloster, wo die Zahl
möglicher Optionen extrem reduziert ist. mehr | 
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| Raus
aus dem Hamsterrad Das Gefühl, die Zeit ist
knapp, ich muss
alles noch schneller tun, begleitet viele durch ihren Alltag. Die Art
und Weise, wie wir in die Welt gestellt sind, wie wir leben, die ändert
sich momentan. Sie ändert sich in einer Richtung, die einem Hamsterrad
gleicht. Dies sei kein individuelles, sondern ein strukturelles
Problem, meint der Soziologe Hartmut Rosa . Im Gespräch erklärt er, wie
dieses dauernde Gehetztsein entsteht und wie wir da raus finden können.
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Das Leben
lässt sich nicht in funktionale Scheibchen
teilen Die Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel über ihr Buch
"Brief an mein Leben", in dem sie ihr Burnout beschreibt und über die
gesellschaftlichen Ursachen der seelischen Erschöpfung: "Ich habe
lernen müssen, dass die eigenen Bedürfnisse genauso viel wert sind wie
die Bedürfnisse anderer. Und wenn Bedürfnisse miteinander konkurrieren,
muss man das aushandeln, und man kann es nicht immer nur so aushandeln,
dass es auf die eigenen Kosten geht." mehr | 
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 | Warum
uns ständig die Zeit knapp wird Wohin geht die Zeit, die wir
sparen? Moderne
Gesellschaften sind ungeheuer effizient im Zeitsparen. Es gibt
praktisch kein technisches Gerät, das diese Funktion nicht erfüllen
soll. Es ist aber auch so, dass wir viel Zeit haben - etwa Freizeit.
Das Gefühl der Zeitknappheit erfahren wir über eine Verdichtung von
Handlungen in Zeiteinheiten. Wir tun mehr - in unserer Arbeits- wie in
unserer Freizeit. Ist es tatsächlich so, dass wir mehr tun? Ist es
nicht auch häufig so, dass wir uns (zu) viel vornehmen, um dann nichts
vorangebracht zu haben? mehr |
Die Finanzkrise als
Beschleunigungsunfall Die permanente Beschleunigung wird immer
mehr zu einem Problem für Mensch und Gesellschaft. Auch die Finanzkrise
ist, so Hartmut Rosa im Gespräch, letztlich vor allem ein
"Beschleunigungsunfall". Man kann in Sekundenbruchteilen kaufen und
verkaufen, aber nicht produzieren und konsumieren. Das hat zu der
bekannten und fatalen Entkopplung von Finanzmärkten und Realökonomie
geführt mit dem Ergebnis einer zunächst massiven Finanz- und dann einer
Wirtschaftskrise. Man konnte Profite machen, ohne zu produzieren, indem
man mit Finanzprodukten handelte, die gar keine reale Grundlage hatten.
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