Was
ist soziale Beschleunigung? Es gibt eine von allen Soziologen
anerkannte These, die lautet, Moderne und Beschleunigung gehören eng
zusammen: der technische und naturwissenschaftliche Fortschritt, die
industrielle und digitale Revolution sind jeweils Elemente, die die
Gesellschaft schneller gemacht haben. Auch
die Kommunikationsbeschleunigung ist einfach zu messen und leicht
nachzuvollziehen: Wir schicken keine Brieftauben mehr aus oder Boten,
die Nachrichten übermitteln, sondern uns steht nach Telefon und
Telegrafie inzwischen sogar das Internet zur Verfügung, welches
geradezu die Ortlosigkeit, die Utopie zu einer Realität gemacht hat.
mehr
Depression
am Arbeitsplatz Die Zahl psychischer Erkrankungen am
Arbeitsplatz hat ein Rekordniveau erreicht. Burn-out, Neurosen oder
Angstzustände - diese Krankheitsbilder diagnostizieren Ärzte immer
häufiger bei Arbeitnehmern als Folge von beruflichem Dauerstress.
Menschen,
die unter einer Depression leiden, haben oft das Gefühl, die Zeit stehe
still; und wir wissen von vielen psychosozialen Untersuchungen, auch
von der Weltgesundheitsorganisation, dass Depressionserkrankungen nicht
nur zunehmen, sondern tatsächlich Reaktionen auf Stress und
beschleunigte Veränderungserfahrungen zumindest sein können. mehr
Rasender
Stillstand Wir laufen und laufen schneller und schneller und
hoffen darauf, dass weitere Beschleunigung ein Entkommen aus der
beschleunigten Panaik garantiere. Das heisst natürlich das Problem als
Lösung zu verkennen. Menschen erfahren Bewegung als etwas
Positives und
Befreiendes, falls sie das Gefühl haben, es geht in die richtige
Richtung. Aber in letzter Zeit nehmen wir zusehends eine Veränderung
ohne Richtung und Ziel wahr, ein auf-der-Stelle-treten. Wir gehen
nirgendwo hin, wir verändern uns nur ständig. Und das führt zu einem
Gefühl des "rasenden Stillstands". mehr
Immer
mehr Zeitdruck bei der Arbeit Die
Arbeitnehmer klagen, dass immer mehr Arbeitszeiten eingefordert werden
und in den Arbeitszeiten immer kürzere Taktzeiten eingeklagt werden.
Dieses Phänomen der kapitalistischen Arbeitswelt brachte Walter
Benjamin mit der Grundformel des Kapitalismus auf den Punkt: "Zeit ist Geld!" Viele
Konkurrenten rauben Zeit und Kraft und zwingen Menschen auf die
Überholspur. Der Mensch steht unter dem Zwang, überall an der Spitze
stehen zu müssen, weil sich der Konkurrenzdruck verschärft. Doch mehr
Wettbewerb bedeutet weniger Zeit. Das ist letztlich eine Spirale ohne
Ende, in der sich der Einzelne vorkommt wie der Hamster im Laufrad. Wer
die Notbremse zieht, katapultiert sich aus der modernen Welt.
Entschleunigung bleibt ein Traum? mehr
Die
industrielle Revolution - eine
Beschleunigungsrevolution? Die technisch und ökonomisch
verursachte
Beschleunigung zeigt sich in der rasanten Entwicklung der Technik im
19. und 20.Jahrhundert sowie der sozialen Beschleunigung der Menschen.
Jedoch sind die technischen Erfindungen der industriellen Revolution
bereits die Antwort auf den Zeithunger des modernen Menschen, sie
stehen nicht an der Wurzel. Aufgrund des technischen Fortschritts
entsteht - so der Wissenschaftler
Hartmut Rosa - allerdings Zeitnot und kein Zeitgewinn. Die Moderne kann
durch das Gefühl der knappen, davoneilenden Zeit definiert werden. mehr
"Eigentlich
bin ich ganz anders, nur
komm' ich so selten dazu" Angefangen habe er sich für
das Thema
"Beschleunigung" zu interessieren, als er über ein dem Schriftsteller
Ödön von Horvath zugeschriebenes Bonmot nachdachte, erzählt der
Soziologe Hartmut Rosa. Dieses lautet: "Eigentlich bin ich ganz anders,
nur komm' ich so selten dazu". Das traf genau die Lebenserfahrung
Hartmut Rosas. Aber wohl nicht nur seine. Man hetzt von Termin zu
Termin, privat oder beruflich, und habe dabei das Gefühl, nie zu den
Dingen zu kommen, an denen einem wirklich liegt. Rosa wollte wissen, ob
er etwas falsch macht oder ob er einem Strukturproblem der modernen
Gesellschaft auf die Spur gekommen war. mehr
Die
Unerbittlichkeit des Hamsterrades Der
deutsche Soziologe Hartmut Rosa lehrt an der
Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Er zählt zu jenen
Wissenschaftlern, die vor den Folgen der Veränderung unserer
Zeitstruktur auf das Individuum, die Familie, die Gesellschaft
insgesamt warnen. Autonomes
Individuum, Staat, Recht, Demokratie werden in der
Beschleunigungs-Mühle zermahlen. Die Beschleunigung frißt ihre Kinder,
denn tatsächlich war es ja so, daß jene Grundelemente der Moderne eine
Beschleunigung der Zeit zur Voraussetzung hatten. Wir sind, sagt Rosa, am Rande der
Erschöpfung und am
Rande des Sinnvollen angelangt. mehr
Niemals
ankommen, egal wie schnell wir
rennen Die Zahl derjenigen, die heute
das
Gefühl haben, das wahre Leben zu versäumen, wächst ständig. Die
Ursache: die Erlebnisdichte wird immer größer, immer mehr
Arbeitsprozesse, Events und so genannte Termine pressen sich in eine
Zeiteinheit. Wir erledigen immer mehr Dinge gleichzeitig -
Multi-Tasking heißt das Stichwort -, und müssen zugleich immer
flexibler werden. Doch egal wie schnell wir uns abarbeiten, am Ende des
Tages bleibt immer noch ein Berg an Aufgaben und Erledigungen übrig,
den wir nicht geschafft haben. Dieses Phänomen der modernen Welt, die
eigentlich so zeiteffizient ist, produziert schuldige Subjekte, so der
Soziologe Hartmut Rosa. mehr
Ewiges
Leben vor dem Tod Die
"Steigerungsrate der Optionen übersteigt die Beschleunigungsrate", was
- so Rosa - dazu führt, dass das soeben Erlebte bereits nicht mehr "up
to date" ist und die Individuen keine Chancen haben "lebensgesättigt"
zu sterben. "Vielleicht wird uns die Zeit in der Moderne so knapp, weil
diese Moderne eine panische Reaktion auf die Gewissheit des Todes ist."
Manche Autoren führen die Neuzeit zurück auf das kollektiv-traumatische
Erlebnis der Pest im 14. Jahrhundert. Das habe eine panische
Fluchtreaktion ausgelöst. In ihrem Verlaufe verloren sich die
metaphysischen Gewissheiten und die religiösen Heilszeitvorstellungen. mehr
Gesellschaft
begreifen - die
schnelllebige Moderne Sind moderne Menschen vielleicht eher
von einer getriebenen Lebensführung geprägt oder können sie ihr Leben
nach autonomen und selbstbestimmten Faktoren führen? Letzteres war das
Versprechen der Aufklärung war. Prof. Hartmut Rosa beantwortet
im
Interview Fragen zur Soziologie im Allgemeinen und zur schnelllebigen
Moderne im Besonderen. Ohne Zweifel kommt dabei der Zeit eine
Schlüsselfunktion zu, denn die alte Tolstoi-Frage "Wie wollen wir
leben" ist gleich bedeutend mit der Frage "Wie wollen wir unsere Zeit
verbringen". mehr
Über
die wahren und falschen Bedürfnisse Als
moderne Menschen kennen wir alle diese Impulse, dass wir noch eben mal
schnell was tun müssten: schnell noch eine sms schreiben, mal schnell
noch ein Anruf tätigen oder mal schnell noch ne Notiz machen. «Erledige
zuerst das Dringendste, das, was wirklich bis morgen erledigt sein
muss, und danach das Zweitdringendste, das vielleicht noch bis
übermorgen warten kann, und wenn Du damit fertig bist, kannst Du dich
dem zuwenden, dessen Erledigungsfrist nicht ganz so knapp bemessen
ist», so lautet die zeitgenössische Handlungsstrategie. Das Dringendste
ist jedoch fast nie auch das Wichtigste. mehr
Verkaufsoffener Sonntag raubt
uns ein
Stück Muße Am 7. Tag sollst du ruhen, so sprach der
Herr. Das tut der moderne Mensch inzwischen keineswegs. Der Sonntag ist
in der Regel ein Tag breiter Aktivität: Sport, Kultur, Freizeit, nur
einkaufen können wir nicht. Der Zeitforscher Hartmut Rosa
wendet
sich strikt gegen Ladenöffnungszeiten am Sonntag. Wenn man dann auch
einkaufen könne, werde der Sonntag den anderen (weitesgehend von der
ökonomischen Sphäre geprägten) Tagen immer ähnlicher. Wir
unterliegen aber kollektiven Rhythmen, so Rosa, und bräuchten
deshalb zur eigenen Entlastung einen einkaufsfreien Sonntag. mehr
Gefangen
im Hamsterrad - Arbeitssucht
und Burnout Die hohen Zahlen von Menschen
mit
Burnout-Syndrom belegen, dass der gesunde und souveräne Umgang mit
Arbeit längst nicht jedem gelingt. Welche Rolle spielen die Ideale
unserer modernen Leistungsgesellschaft bei Arbeitssucht und Burnout?
Was steckt dahinter, wenn der Job wichtiger wird als Familie, Freunde
und Hobbys? Und wie lässt sich das Hamsterrad stoppen? Wir schlafen
nicht! Wenn die einzigen Werte Effizienz, Leistung und Erfolg
darstellen, dann wird es eng und gefährlich, meint die Autorin Kathrin
Röggla. Der Leistungsdruck setzt heute immer früher ein, so wissen
bereits Grundschulkinder, dass sie mit einem Hauptschulabschluss keine
Chance haben. mehr
Bloß
nicht festlegen! Wenn Erwachsene
nicht erwachsen werden. Der Autor Martin Reichert hat
ein Buch
über die "Generation Umhängetasche" geschrieben, über die
"Langzeitadoloszenten", die ewig Jugendlichen, die mit ihren
Habseligkeiten von Wohnung zu Wohnung ziehen, von Job zu Job, von
Beziehung zu Beziehung ziehen. Reichert
zählt sich selbst zur Generation Umhängetasche. Er arbeitete als
Autowäscher, freier Journalist, Kabelhelfer, studierte nebenbei und
wechselte einmal im Jahr sein Domizil, bis er beschloss, erwachsen zu
werden. Doch warum ist es heute so schwer, erwachsen zu werden? Das
Idealbild älterer Menschen ist nicht mehr das des Weisen Alten, sondern
das des immer noch flexiblen, wandlungsfähigen Nicht- wirklich-Alten,
meint der Soziologe Hartmut Rosa. mehr
Wie viel Geschwindigkeit
verträgt die
moderne Gesellschaft? Wir leben auf der Überholspur.
Alles
muss schnell gehen. Arbeiten. Essen. Trinken. Reden. Reisen. Lesen.
Lieben. Dabei passieren Unfälle. Übereilte Handlungen. Falsche
Entscheidungen. Das Resultat: Stress und Überforderung. Wer mithalten
will, muss sich "fit machen". Und wer nicht Schritt halten kann?
Familien, Betriebe, Gesellschaften sind Zeitgemeinschaften: Jede hat
ihren eigenen Rhythmus. Je mehr die Welt beschleunigt, desto mehr
streben die Menschen nach Entschleunigungs-Inszenierungen. Im Dschungel
der Möglichkeiten, im Gewirr der Beschleunigungsfaktoren, nach Stress
im Beruf und Hektik sogar in der Freizeit suchen immer mehr Menschen
nach Ruhe und Frieden. mehr
Immer
auf dem Sprung - das Leben der
Jobnomaden Empirische Studien sind in
ihrer Tendenz
eindeutig: sie finden eine deutliche Verkürzung durchschnittlicher
Beschäftigungsdauer in einem Betrieb, eine Zunahme
zwischenbetrieblicher Stellenwechsel, eine gestiegene Mobilität der
Arbeitsnehmer, eine Zunahme kurz- und mittelfristiger
Beschäftigungsverträge und insgesamt eine wachsende Instabilität von
Beschäftigungsverhältnissen. Hartmut Rosa: "Der im Alter drohende
Verlust der Offenheit und Flexibilität ist in einer Gesellschaft mit
hohen Veränderungsraten ein Handicap. Das zeigt sich etwa in jenen
Berufsbranchen, in denen schon Vierzigjährige nicht mehr eingestellt
werden, weil sie nicht flexibel und risikofreudig genug erscheinen." mehr
Zukunft jetzt - Wie wir lernen,
leben und
arbeiten Die Balance zwischen Arbeit
und Leben zu
finden, ist vor allem deshalb so schwierig, weil jede erfolgreiche
Arbeit dazu neigt, sich selbst an die Stelle des Lebens zu setzen.
Deshalb kann man gerade bei den Erfolgreichen keinerlei Neigung zu
langem Urlaub, Arbeitszeitverkürzung oder Familienauszeit erkennen. Wir
haben es hier mit dem Kreislauf einer sich selbst verstärkenden
Rückkopplung zu tun. Die Belastungen und der Wettbewerbsdruck am
Arbeitsplatz nehmen dramatisch zu. Um in der beschleunigten
24-Stunden-Ökonomie erfolgreich zu sein, ist nicht nur permanente
Weiterbildung erforderlich, sondern auch eine Firmenkultur, die
Work-Life-Balancing unterstützt. mehr
Vom Umgang mit der Zeit In
der Hitliste des Alltagsstresses steht der berufliche Bereich an erster
Stelle, gefolgt von Straßenverkehr, Lärm, Einkaufen, Partnerschaft.
Nicht umsonst wird Stress als Seuche des 20.Jahrhunderts bezeichnet,
leidet doch jeder Deutsche mindestens einmal wöchentlich unter
Stressfaktoren. Man kann sich einen durch Arbeit verursachten
psychischen Kollaps wie einen Infarkt vorstellen. Nur dass es nicht das
Herz ist, das das geforderte Tempo nicht mehr hält, sondern die Seele.
Wie die Herzleiden haben sich die psychischen Gebrechen zu modernen
Volkskrankheiten entwickelt. Der Burn-out wird zur Volkskrankheit.
Woran liegt das? Eine Erkundung in der Arbeitswelt. mehr
Wenn
der Zeitdruck wächst - Die
Sehnsucht nach Entschleunigung Es
geht in der Zeit-Ökonomie um die Optimierung der kostbarsten Ressource,
um die Zeit. 70% der Deutschen stehen unter Zeitdruck, 40% wünschen
sich einen 30-Stunden-Tag. Die Wirtschaft bietet hier Produktlösungen
an, von der Mikrowelle über Home-Delivery bis zum Convenience-Store
(z.B. Tankstelle) und Handys, E-Mails, Schnellzüge, Flugzeuge ersparen
uns immer mehr Zeit. Wie aber gehen wir mit der ersparten Zeit um? Wir
packen neue Termine oder Arbeitsabläufe hinein, damit sich die
Zeitersparnis auszahlt. Über die Möglichkeiten und Wege der
Entschleunigung diskutieren drei Zeitexperten. mehr
Wir
haben keine Zeit obwohl wir sie im
Überfluss gewinnen Die moderne Gesellschaft, ja die Moderne
überhaupt, ist durch die notorische Beschleunigung aller Lebensbereiche
und durch die Verkürzung von Handlungsabläufen und sozialen Prozessen
in nahezu allen Gesellschaftsbereichen gekennzeichnet. Ihr Wesenskern
besteht in einem immer schnelleren In-Bewegung-Setzen der materiellen,
sozialen und geistigen Welt, in der wir leben. Das Ergebnis dieser
mächtigen zeitlichen Veränderungstendenz ist, dass wir alle immer
schneller laufen müssen, nur um unseren Platz zu halten im sozialen
Gefüge. Wer ausruht, wird abgehängt, fällt zurück, verliert Optionen
und Anschlusschancen; kurz er verliert seine Wettbewerbsfähigkeit in
einer globalisierten Welt, in der, wie es die Spatzen von den Dächern
pfeifen, der Wettbewerb immer härter wird. mehr
Entwicklung vollzieht sich nur in der
Zeit und nicht gegen die Zeit In vielen Sozialbereichen, Schule
mag ein Beispiel sein, der Finanzsektor ein anderes, haben wir die
Geschwindigkeitsschraube überdreht. In diesen Bereichen vollziehen sich
Aktionen und Transaktionen mit Geschwindigkeiten, die jede
Qualitätskontrolle und die Sicherung von Standards untergraben. Oft
denken wir, dass wir den schnellsten Weg zu einem Ziel nehmen müssen
und übersehen dabei, dass die Reifungsprozesse sich erst entfalten,
wenn wir auch Umwege und Irrwege in Kauf nehmen. Es sind gerade
Irrwege, die Kulturleistungen hervorbringen und vor allem die Freiräume
schaffen für wirkliche Kreativität. mehr
Wir
leben zu schnell! Rasender Stillstand oder das Ende der
Beschleunigung bedeutet, dass wir uns nur noch verändern; wir wechseln
die Images, unsere Kleider, die Partner, unsere Jobs etc.. Was dabei
verloren geht ist das Gefühl einer gerichteten und entfalteten
Bewegung, stattdessen breitet sich die Wahrnehmung des immer
schnelleren Strampels auf der Stelle aus. Das Ergebnis ist, dass
Menschen sowohl ihre eigene, als auch kollektive Lebensführung nicht
mehr als selbstbestimmt erfahren. Das Wort "müssen" ist dabei der beste
Indikator, um die These von den immer härter werden Anpassungszwängen
und der immer mehr verblassenden Gestaltungsmacht zu untermauern.
mehr
Die Angst der Mittelschicht vor dem
sozialen Abstieg Nahezu jede Form der sozialen
Anerkennung steht unter wachsendem zeitlichen Vorbehalt: Liebes- und
Freundschaftsbeziehungen geraten unter Kontingenzverdacht und
Leistungen müssen unaufhörlich erneuert und verbessert werden, wenn sie
ihre Funktion der Sicherung der sozialen Wertschätzung nicht verlieren
sollen. Vermeintlich auf Dauer gestellte Sicherheiten, an denen sich
die Lebensplanung ausrichtete, stehen unvermutet wieder zur
Disposition. Auch der vermeintliche Gewinner dieser Gesellschaft, der
im A8 über die Autobahn fährt, kann sich nicht sicher sein, seine
Position auch auf Dauer halten zu können. mehr
Reinziehen, was geht Kinder
mit Konzentrationsschwäche werden mit Ritalin ruhig gestellt, Schüler
und Studenten nehmen Medikamente, um die Prüfung zu bestehen und im Job
wird ebenfalls mit Stresslöser und Muntermacher nachgeholfen, um
leistungsfähiger zu sein. Ob Ephedrin, Amphetamin, Modafinil oder
Ritalin - "Doping" scheint immer mehr zu Triebfeder der
Leistungsgesellschaft zu werden. Warum greifen immer mehr Menschen zur
künstlichen Leistungssteigerung, wohin führt der Trend und wo fängt
Doping überhaupt an? mehr
Ausgebrannt
- Wenn der Job die Kräfte
raubt Arbeitsgesellschaft. Diesen Begriff
verwenden Soziologen, um Länder wie Deutschland in einem Wort zu
beschreiben. Es sind Länder, in denen Berufsbezeichnungen auf
Grabsteinen und in Todesanzeigen stehen, und Menschen, die sich neu
kennenlernen, als Erstes nach dem Beruf ihres Gegenübers fragen. Länder
also, in denen Arbeit nicht nur Geld bringt, sondern vor allem Status,
Ansehen, soziale Anerkennung. In denen Arbeit großes Glück verheißt ?
bevor sie mitunter ziemlich unglücklich macht. Arbeiten, bis der Arzt
kommt! Der Burn-out wird zur Volkskrankheit. Woran liegt das? Eine
Erkundung in der Arbeitswelt. mehr
Burnout-Syndrom - Treffen kann
es jeden Viele Menschen kennen nichts anderes
mehr, während andere, aus welchen Gründen auch immer, seit Jahren
keinen Hammer mehr in der Hand hatten. Arbeitsstress, so warnen
Forscher, führe geradewegs in einen unheilvollen Zustand, den man
neudeutsch Burn-out nennt: das Totale-Innere-Verbrannt-Sein. Was kann
man, was wird dagegen getan? Während lange Zeit vor allem Menschen in
so
genannten Helfer-Berufen wie Krankenschwestern, Therapeuten, Ärzte und
Sozialarbeiter als gefährdet galten, beobachten Mediziner und
Psychologen jetzt das "Burn-out-Syndrom" in allen Branchen, wie das
Beispiel eines 35-jährigen leitenden Bankangestellten zeigt. mehr
Die
Burnout-Falle. Warum so viele
Menschen ausgebrannt sind. Wenn Erschöpfung zum
Dauerzustand wird,
kommt irgendwann der Zusammenbruch: Burnout. Eigentlich ist Stress eine
gesunde Reaktion, bei der Körper und Hirn während einer Gefahr auf
Höchstleistung schalten. Blutdruck, Durchblutung und Herzschlag
steigen, die Muskelspannung erhöht sich, und die Verarbeitung der
Sinnesinformationen wird intensiviert. Chronischer Stress wirkt jedoch
auf das Gehirn wie ein schleichendes Gift. Der Daueralarm führt zu
einer massiven körperlichen und psychischen Erschöpfung, von der sich
der Organismus nicht mehr von selbst erholt. mehr
Die
Stress-Spirale Stress, Hektik, innere Anspannung und
das Gefühl
eines Druckes, der bald zu viel ist. Wer kennt das nicht? Tag für Tag
wird unser Wohlbefinden von Faktoren bestimmt, von denen wir viele
nicht beeinflussen können. Starker Zeitdruck und die daraus
resultierende Arbeitsverdichtung sind heute in fast allen Berufen zu
finden. Wenn dann noch Faktoren wie mangelnde soziale Anerkennung,
schlechte Bezahlung, mieses Betriebsklima, Über- oder Unterforderung
hinzukommen, verursacht Arbeit Stress. Tierversuche haben sogar
gezeigt, dass chronischer Stress die Funktionen von Genen im Gehirn
verändert. Dabei können sich Nervenschaltkreise ändern. mehr
Miriam
Meckel: Burnout - wenn die Seele streikt Immer
erreichbar, immer flexibel, immer verfügbar sein - das sind die
heutigen Bedingungen für den arbeitenden Menschen. Wir verplanen
jede freie Minute, ob privat oder beruflich: wir optimieren uns immer
weiter. Die Kehrseite davon ist eine rasant wachsende Zahl an
Burnout-Patienten. Eine von ihnen ist Miriam Meckel. Sie litt an einem
Burnout und hat nun in einem Buch analysiert was geschieht, wenn wir
ständig unterwegs sind und permanent kommunizieren. mehr
Zwischen
Burn-out und Hartz IV - Der neue Arbeitskampf "Arbeitssammler,
Jobnomaden, Berufsartisten" lautet der Titel des Buches von Peter
Plöger. Im Interview spricht er über die neue Arbeitswelt und
ihre Folgen: Aus Vollzeit wird Teilzeit, aus "lebenslänglich" wird
"befristet" und aus Sicherheit wird "Flexibilität". Was oft genug
bedeutet, dass die Arbeitnehmer flexibel, die Arbeitgeber hingegen
schlicht unberechenbar sind - und niemals umgekehrt. Eine neue Art von
Leibeigenschaft, die wohl nur deshalb möglich ist, weil die
Alternative Arbeitslosigkeit lautet. mehr
Immer
mehr befristete Arbeitsplätze Während
es den arbeitslosen Landarbeiter einst in die Stadt trieb, wo er im
Zeitalter der Industrialisierung zum Proletarier wurde und ihm der
industrielle Fortschritt eine Vollzeitstelle bis zur Rente bot, so
hangelt sich der "spätmoderne Arbeitsnomade" von Praktikum zu Praktikum
oder von Job zu Job. Die Zahl fester, sicherer Arbeitsplätze wird immer
geringer. Dafür aber steigt die Zahl der prekären, der befristeten
Stellen. Und das stößt immer mehr auf Kritik. Inzwischen ist jede 10.
Stelle in Deutschland nur noch befristet, was zur Folge hat, dass die
Menschen auf eine lebensübergreifende Perspektive verzichten, weil der
Grad an Unsicherheit zugenommen hat. mehr
Fast
Forward - Auf dem Weg in die Nonstop-Gesellschaft Wer auf der
Höhe der Zeit bleiben will, muss mit ihr Schritt halten. Informationen
gehen in "Echtzeit" um die Welt. Nachrichten, Märkte, Angebote - alles
gilt es zugleich im Auge zu behalten. Ob an der Börse oder bei Ebay:
Der Zeitspielraum schrumpft auf den Augenblick, es geht um das perfekte
Timing. Ein Auftraggeber will, dass das bestellte System sofort
geliefert und in drei statt bisher zehn Tagen eingeführt wird.
Firmenchefs müssen Rendite bringen, möglichst sofort und nicht in
ferner Zukunft. So tickt das System, das uns gleichzeitig zu unserem
Wohlstand verhilft. mehr
Kultur der Entschleunigung - Gesellschaft der
Beschleunigung Heute versuchen moderne Menschen Zeit zu sparen.
In Wahrheit werden die Menschen um ihre Zeit betrogen - während sie
versuchen Zeit für später zu sparen, vergessen sie, im Jetzt zu leben.
Denn Zeit kann man nicht sparen, wie z. B. Geld. Je mehr man versucht,
Zeit zu sparen, desto kürzer werden die Tage und Wochen. Unsere heutige
Kultur, in der das ganze Leben dem Streben nach Nützlichkeit und
Wachstum untergeordnet ist, dem Streben nach abstraktem zukünftigen
Gewinn, ist eng mit dem heutigen Zeitbegriff verbunden. mehr
Der beschleunigte Blick nach vorn Die
Beobachtung, dass sich in
kapitalistischen Gesellschaftsformen eine bedrohliche Veränderung
vollzieht, wurde schon von Marx erkannt, in dem er schreibt:"Alles
Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht." Dass
diese Entweihung und Verdampfung kein Prozess von vorindustrieller
Dauer war, sondern noch immer ist und mit verstärkter Kraft in der
Moderne wütet, soll an der Beschleunigungstheorie von Hartmut Rosa
offen gelegt werden. Das Verlangen, alles in Bewegung zu versetzen, das
materielle, das soziale und das geistige Universum, ist ein Grundmotiv
der Moderne; es beherrscht uns in nahezu allen Lebensäusserungen.
mehr
Aschewolke
über Europa - Die Verordnung der Langsamkeit Die Aschewolke aus
Island hat, positiv gesehen, zu einer neuen Langsamkeit geführt. Reisen
dauert wieder. Plötzlich denken wir wieder in ganz anderen zeitlichen
Dimensionen. Die Dimension der Dauer tritt in den Vordergrund und gibt
der Katastrophe eine neue Färbung. Vielleicht begreifen wir nur ganz
allmählich, dass sich unsere Gesamtlage verändert hat: unsere
Mobilität, unser weiträumig durchgeplantes Leben, die Zuverlässigkeit
unserer Transportsysteme als Basis der Globalisierung. mehr
Vom
Nutzen des Nichtstuns Urlaubszeit, Ferienzeit - Zeit zum
Abschalten. Den ganzen Arbeitskram hinter sich lassen und die Seele
baumeln lassen. Oder im Gegenteil, den Körper nach all der Büroarbeit
auf Trab zu bringen mit Trekking im Himalaya oder mit dem Wohnmobil
einmal durch die USA. Die moderne Gesellschaft wolle keine Zeit
verschwenden, meint der Zeitforscher Hartmut Rosa. Was geht ohne Muße
verloren? Wirkliche Kreativität entsteht nur dort, wo es auch einen
Überschuss an Zeit gibt, wo es zweckfreie Räume gibt. Außerdem
verschwinden Regenerationsmöglichkeiten. Menschen schwer fällt es
schwer, abzuschalten oder runterzukommen. mehr
Karierrestress
schon bei den Kleinen Ein voller Terminkalender: Vorschule,
Tennis, Schwimmen, Englischkurs - ist das nicht zu viel für einen
Fünfjährigen, der sogar in den Ferien Kurse besucht? Dieser Beitrag
porträtiert Familien, die ihre Kinder schon lange vor dem Eintritt in
die Schule fördern und fordern. Bilinguale Kindergärten, Musikschule,
Geige lernen, Malkurs, Tennis, Schwimmen - für Arthur und Philipp (6),
Tim (5), und Stella (3) gehört das dazu. Der Beitrag gibt einen
Einblick in den Alltag der Familien auf dem schmalen Grat zwischen
Förderung und Überforderung. mehr
Burnout -
Arbeiten
bis zum Umfallen Die Leistungsgesellschaft und die ökonomische
Krise
erzeugen einen immensen Druck auf die Arbeitnehmer. Die müssen auf der
einen Seite flexibel, engagiert, motiviert sein, um Höchstleistungen
erbringen zu können, auf der anderen Seite müssen sie sich oft mit
prekären Arbeitsverhältnissen und Lohnpolitiken abfinden. Kaum
verwunderlich, dass Angst- und Depressionserkrankungen zunehmen, dass
immer mehr Ratgeber den Buchmarkt erobern, die angeblich zeigen, wie
man mit dem Druck zurecht kommt. Der Arbeitssoziologe Professor G.
Günter Voß zeigt politische und ökonomische Ursachen dieses
gefährlichen Trends auf. mehr
Beschleunigung
versus Verlangsamung Die moderne Gesellschaft ist durch eine
kontinuierliche Veränderung ihrer Zeitstrukturen gekennzeichnet. Das
Hauptmerkmal dieser Veränderung ist die Beschleunigung von Prozessen
und Veränderungsraten und die Verkürzung der Zeithorizonte. Dabei geht
es um das Phänomen, dass wir heute einerseits in vielen Bereichen durch
effiziente Vorgänge und neue Technologien Zeit sparen. Trotzdem haben
wir das Gefühl, dass unsere freie Zeit schwindet. Die Folge ist
eine,
in der Geschichte der Menschheit noch nie dagewesene, unerhörte
Erhöhung unseres Lebenstempos. mehr