Was
ist soziale Beschleunigung? Es gibt eine von allen
Soziologen anerkannte These, die lautet, Moderne und Beschleunigung
gehören eng zusammen: der technische und naturwissenschaftliche
Fortschritt, die industrielle und digitale Revolution sind jeweils
Elemente, die die Gesellschaft schneller gemacht haben. Auch die
Kommunikationsbeschleunigung ist einfach zu messen und leicht
nachzuvollziehen: Wir schicken keine Brieftauben mehr aus oder Boten,
die Nachrichten übermitteln, sondern uns steht nach Telefon und
Telegrafie inzwischen sogar das Internet zur Verfügung, welches
geradezu die Ortlosigkeit, die Utopie zu einer Realität gemacht hat.
Depression
am Arbeitsplatz Die Zahl psychischer Erkrankungen am
Arbeitsplatz hat ein Rekordniveau erreicht. Burn-out, Neurosen oder
Angstzustände - diese Krankheitsbilder diagnostizieren Ärzte immer
häufiger bei Arbeitnehmern als Folge von beruflichem Dauerstress.
Menschen,
die unter einer Depression leiden, haben oft das Gefühl, die Zeit stehe
still; und wir wissen von vielen psychosozialen Untersuchungen, auch
von der Weltgesundheitsorganisation, dass Depressionserkrankungen nicht
nur zunehmen, sondern tatsächlich Reaktionen auf Stress und
beschleunigte Veränderungserfahrungen zumindest sein können.
Wir
leben
zu schnell Wir
laufen und laufen schneller und schneller und
hoffen darauf, dass weitere Beschleunigung ein Entkommen aus der
beschleunigten Panaik garantiere. Das heisst natürlich das Problem als
Lösung zu verkennen. Menschen erfahren Bewegung als etwas
Positives und
Befreiendes, falls sie das Gefühl haben, es geht in die richtige
Richtung. Aber in letzter Zeit nehmen wir zusehends eine Veränderung
ohne Richtung und Ziel wahr, ein auf-der-Stelle-treten. Wir gehen
nirgendwo hin, wir verändern uns nur ständig. Und das führt zu einem
Gefühl des "rasenden Stillstands".
Immer
mehr Zeitdruck bei der Arbeit "Zeit ist Geld!" - so lautet
die
Grundformel des Kapitalimus.
Viele
Konkurrenten rauben Zeit und Kraft und zwingen Menschen auf die
Überholspur. Der Mensch steht unter dem Zwang, überall an der Spitze
stehen zu müssen, weil sich der Konkurrenzdruck verschärft. Doch mehr
Wettbewerb bedeutet weniger Zeit. Das ist letztlich eine Spirale ohne
Ende, in der sich der Einzelne vorkommt wie der Hamster im Laufrad. Wer
die Notbremse zieht, katapultiert sich aus der modernen Welt.
Entschleunigung bleibt ein Traum?
Völlig
ausgebrannt
- Die erschöpfte Gesellschaft Phänomene
der Erschöpfung nehmen offenkundig zu. In der Ökonomie bewegt man sich
am Rande einer "Depression" und wartet sehnsüchtig auf eine Phase der
"Erholung"; in der Politik beklagt man sich über Verdrossenheit oder
Apathie der Bürger und klagt deren Engagement und Aktivität ein; in
Kunst und Kultur herrscht ein Gleichmaß des Betriebs, der kaum noch
"Ereignisse" kennt. Aber auch im "Seelenhaushalt" der Einzelnen mehren
sich Erschöpfungszustände. Phänomene des "burn-out", der Depression und
Angst greifen um sich.
"Eigentlich
bin ich ganz anders, nur
komm' ich so selten dazu" Dieses Ödön von Horvath
zugeschriebenes Bonmot traf
genau die
Lebenserfahrung
Hartmut Rosas und er begann über das Thema "Beschleunigung"
nachzudenken: Man hetzt von Termin zu
Termin, privat oder beruflich, und habe dabei das Gefühl, nie zu den
Dingen zu kommen, an denen einem wirklich liegt. Rosa wollte wissen, ob
er etwas falsch macht oder ob er einem Strukturproblem der modernen
Gesellschaft auf die Spur gekommen war. Die Moderne kann
durch das Gefühl der knappen, davoneilenden Zeit definiert werden.
Über
die wahren und falschen Bedürfnisse Als
moderne Menschen kennen wir alle diese Impulse, dass wir noch eben mal
schnell was tun müssten: schnell noch eine sms schreiben, mal schnell
noch ein Anruf tätigen oder mal schnell noch ne Notiz machen. «Erledige
zuerst das Dringendste, das, was wirklich bis morgen erledigt sein
muss, und danach das Zweitdringendste, das vielleicht noch bis
übermorgen warten kann, und wenn Du damit fertig bist, kannst Du dich
dem zuwenden, dessen Erledigungsfrist nicht ganz so knapp bemessen
ist», so lautet die zeitgenössische Handlungsstrategie. Das Dringendste
ist jedoch fast nie auch das Wichtigste.
Verkaufsoffener
Sonntag raubt
uns ein
Stück Muße Am 7. Tag sollst du ruhen, so
sprach der
Herr. Das tut der moderne Mensch inzwischen keineswegs. Der Sonntag ist
in der Regel ein Tag breiter Aktivität: Sport, Kultur, Freizeit, nur
einkaufen können wir nicht. Der Zeitforscher Hartmut Rosa
wendet
sich strikt gegen Ladenöffnungszeiten am Sonntag. Wenn man dann auch
einkaufen könne, werde der Sonntag den anderen (weitesgehend von der
ökonomischen Sphäre geprägten) Tagen immer ähnlicher. Wir
unterliegen aber kollektiven Rhythmen, so Rosa, und bräuchten
deshalb zur eigenen Entlastung einen einkaufsfreien Sonntag.
Gefangen
im Hamsterrad - Arbeitssucht
und Burnout Die hohen Zahlen von Menschen
mit
Burnout-Syndrom belegen, dass der gesunde und souveräne Umgang mit
Arbeit längst nicht jedem gelingt. Welche Rolle spielen die Ideale
unserer modernen Leistungsgesellschaft bei Arbeitssucht und Burnout?
Was steckt dahinter, wenn der Job wichtiger wird als Familie, Freunde
und Hobbys? Und wie lässt sich das Hamsterrad stoppen? Wir schlafen
nicht! Wenn die einzigen Werte Effizienz, Leistung und Erfolg
darstellen, dann wird es eng und gefährlich, meint die Autorin Kathrin
Röggla. Der Leistungsdruck setzt heute immer früher ein, so wissen
bereits Grundschulkinder, dass sie mit einem Hauptschulabschluss keine
Chance haben.
Bloß
nicht festlegen! Wenn Erwachsene
nicht erwachsen werden. Es geht um die "Generation
Umhängetasche", die "Langzeitadoloszenten", die ewig
Jugendlichen,
die mit ihren
Habseligkeiten von Wohnung zu Wohnung ziehen, von Job zu Job, von
Beziehung zu Beziehung ziehen. Sie arbeiten als
Autowäscher, freie Journalisten, Kabelhelfer, studieren nebenbei und
wechseln einmal im Jahr ihr Domizil, bis sie beschliessen, erwachsen zu
werden. Doch warum ist es heute so schwer, erwachsen zu werden? Das
Idealbild älterer Menschen ist nicht mehr das des Weisen Alten, sondern
das des immer noch flexiblen, wandlungsfähigen Nicht-wirklich-Alten,
meint der Soziologe Hartmut Rosa.
Wie viel
Geschwindigkeit
verträgt die
moderne Gesellschaft? Wir leben auf der Überholspur.
Alles
muss schnell gehen. Arbeiten. Essen. Trinken. Reden. Reisen. Lesen.
Lieben. Dabei passieren Unfälle. Übereilte Handlungen. Falsche
Entscheidungen. Das Resultat: Stress und Überforderung. Wer mithalten
will, muss sich "fit machen". Und wer nicht Schritt halten kann?
Familien, Betriebe, Gesellschaften sind Zeitgemeinschaften: Jede hat
ihren eigenen Rhythmus. Je mehr die Welt beschleunigt, desto mehr
streben die Menschen nach Entschleunigungs-Inszenierungen.
Immer
auf dem Sprung - das Leben der Jobnomaden Empirische Studien
sind in ihrer Tendenz eindeutig: sie finden eine deutliche Verkürzung
durchschnittlicher Beschäftigungsdauer in einem Betrieb, eine Zunahme
zwischenbetrieblicher Stellenwechsel, eine gestiegene Mobilität der
Arbeitsnehmer, eine Zunahme kurz- und mittelfristiger
Beschäftigungsverträge und insgesamt eine wachsende Instabilität von
Beschäftigungsverhältnissen. Es wird erwartet, dass Menschen bereit
sind, für den Job umzuziehen, und dass sie auch mal im Ausland gelebt
haben. Warum der heutige Zwang zur Mobilität belastet.
Wenn
der Zeitdruck wächst - Die
Sehnsucht nach Entschleunigung Es
geht in der Zeit-Ökonomie um die Optimierung der kostbarsten Ressource,
um die Zeit. 70% der Deutschen stehen unter Zeitdruck, 40% wünschen
sich einen 30-Stunden-Tag. Die Wirtschaft bietet hier Produktlösungen
an, von der Mikrowelle über Home-Delivery bis zum Convenience-Store
(z.B. Tankstelle) und Handys, E-Mails, Schnellzüge, Flugzeuge ersparen
uns immer mehr Zeit. Wie aber gehen wir mit der ersparten Zeit um? Wir
packen neue Termine oder Arbeitsabläufe hinein, damit sich die
Zeitersparnis auszahlt. Über die Möglichkeiten und Wege der
Entschleunigung diskutieren drei Zeitexperten.
Wir
haben keine Zeit obwohl wir sie im
Überfluss gewinnen Der Wesenskern moderner
Gesellschaften
besteht in einem immer schnelleren "In-Bewegung-Setzen" der
materiellen,
sozialen und geistigen Welt, in der wir leben. Das Ergebnis dieser
mächtigen zeitlichen Veränderungstendenz ist, dass wir alle immer
schneller laufen müssen, nur um unseren Platz zu halten im sozialen
Gefüge. Wer ausruht, wird abgehängt, fällt zurück, verliert Optionen
und Anschlusschancen; kurz er verliert seine Wettbewerbsfähigkeit in
einer globalisierten Welt, in der, wie es die Spatzen von den Dächern
pfeifen, der Wettbewerb immer härter wird.
Entwicklung vollzieht
sich nur
in der
Zeit und nicht gegen die Zeit In
vielen
Sozialbereichen, Schule
mag ein Beispiel sein, der Finanzsektor ein anderes, haben wir
die
Geschwindigkeitsschraube überdreht. In diesen Bereichen vollziehen sich
Aktionen und Transaktionen mit Geschwindigkeiten, die jede
Qualitätskontrolle und die Sicherung von Standards untergraben. Oft
denken wir, dass wir den schnellsten Weg zu einem Ziel nehmen müssen
und übersehen dabei, dass die Reifungsprozesse sich erst entfalten,
wenn wir auch Umwege und Irrwege in Kauf nehmen. Es sind gerade
Irrwege, die Kulturleistungen hervorbringen und vor allem die Freiräume
schaffen für wirkliche Kreativität.
Rasender
Stillstand! Rasender
Stillstand oder das Ende der
Beschleunigung bedeutet, dass wir uns nur noch verändern; wir wechseln
die Images, unsere Kleider, die Partner, unsere Jobs etc.. Was dabei
verloren geht ist das Gefühl einer gerichteten und entfalteten
Bewegung, stattdessen breitet sich die Wahrnehmung des immer
schnelleren Strampels auf der Stelle aus. Das Ergebnis ist, dass
Menschen sowohl ihre eigene, als auch kollektive Lebensführung nicht
mehr als selbstbestimmt erfahren. Das Wort "müssen" ist dabei der beste
Indikator, um die These von den immer härter werden Anpassungszwängen
und der immer mehr verblassenden Gestaltungsmacht zu untermauern.
Die
Angst der Mittelschicht vor dem
sozialen Abstieg Nahezu jede Form der sozialen
Anerkennung steht unter wachsendem zeitlichen Vorbehalt: Liebes- und
Freundschaftsbeziehungen geraten unter Kontingenzverdacht und
Leistungen müssen unaufhörlich erneuert und verbessert werden, wenn sie
ihre Funktion der Sicherung der sozialen Wertschätzung nicht verlieren
sollen. Vermeintlich auf Dauer gestellte Sicherheiten, an denen sich
die Lebensplanung ausrichtete, stehen unvermutet wieder zur
Disposition. Auch der vermeintliche Gewinner dieser Gesellschaft, der
im A8 über die Autobahn fährt, kann sich nicht sicher sein, seine
Position auch auf Dauer halten zu können.
Reinziehen, was geht Kinder
mit Konzentrationsschwäche werden mit Ritalin ruhig gestellt, Schüler
und Studenten nehmen Medikamente, um die Prüfung zu bestehen und im Job
wird ebenfalls mit Stresslöser und Muntermacher nachgeholfen, um
leistungsfähiger zu sein. Ob Ephedrin, Amphetamin, Modafinil oder
Ritalin - "Doping" scheint immer mehr zu Triebfeder der
Leistungsgesellschaft zu werden. Warum greifen immer mehr Menschen zur
künstlichen Leistungssteigerung, wohin führt der Trend und wo fängt
Doping überhaupt an?
Ausgebrannt
- Wenn der Job die Kräfte
raubt Arbeitsgesellschaft. Diesen
Begriff
verwenden Soziologen, um Länder wie Deutschland in einem Wort zu
beschreiben. Es sind Länder, in denen Berufsbezeichnungen auf
Grabsteinen und in Todesanzeigen stehen, und Menschen, die sich neu
kennenlernen, als Erstes nach dem Beruf ihres Gegenübers fragen. Länder
also, in denen Arbeit nicht nur Geld bringt, sondern vor allem Status,
Ansehen, soziale Anerkennung. In denen Arbeit großes Glück verheißt -
bevor sie mitunter ziemlich unglücklich macht. Arbeiten, bis der Arzt
kommt! Der Burn-out wird zur Volkskrankheit. Woran liegt das? Eine
Erkundung in der Arbeitswelt.
Burnout-Syndrom -
Treffen kann
es jeden Viele Menschen kennen nichts
anderes
mehr, während andere, aus welchen Gründen auch immer, seit Jahren
keinen Hammer mehr in der Hand hatten. Arbeitsstress, so warnen
Forscher, führe geradewegs in einen unheilvollen Zustand, den man
neudeutsch Burn-out nennt: das Totale-Innere-Verbrannt-Sein. Was kann
man, was wird dagegen getan? Während lange Zeit vor allem Menschen in
so
genannten Helfer-Berufen wie Krankenschwestern, Therapeuten, Ärzte und
Sozialarbeiter als gefährdet galten, beobachten Mediziner und
Psychologen jetzt das "Burn-out-Syndrom" in allen Branchen, wie das
Beispiel eines 35-jährigen leitenden Bankangestellten zeigt.
Die
Burnout-Falle. Warum so viele
Menschen ausgebrannt sind. Wenn Erschöpfung zum
Dauerzustand wird,
kommt irgendwann der Zusammenbruch: Burnout. Eigentlich ist Stress eine
gesunde Reaktion, bei der Körper und Hirn während einer Gefahr auf
Höchstleistung schalten. Blutdruck, Durchblutung und Herzschlag
steigen, die Muskelspannung erhöht sich, und die Verarbeitung der
Sinnesinformationen wird intensiviert. Chronischer Stress wirkt jedoch
auf das Gehirn wie ein schleichendes Gift. Der Daueralarm führt zu
einer massiven körperlichen und psychischen Erschöpfung, von der sich
der Organismus nicht mehr von selbst erholt.
Die
Stress-Spirale Stress, Hektik, innere Anspannung und
das Gefühl
eines Druckes, der bald zu viel ist. Wer kennt das nicht? Tag für Tag
wird unser Wohlbefinden von Faktoren bestimmt, von denen wir viele
nicht beeinflussen können. Starker Zeitdruck und die daraus
resultierende Arbeitsverdichtung sind heute in fast allen Berufen zu
finden. Wenn dann noch Faktoren wie mangelnde soziale Anerkennung,
schlechte Bezahlung, mieses Betriebsklima, Über- oder Unterforderung
hinzukommen, verursacht Arbeit Stress. Tierversuche haben sogar
gezeigt, dass chronischer Stress die Funktionen von Genen im Gehirn
verändert. Dabei können sich Nervenschaltkreise ändern.
Miriam
Meckel: Burnout - wenn die Seele streikt Immer erreichbar,
immer flexibel, immer verfügbar sein - das sind die heutigen
Bedingungen für den arbeitenden Menschen. Wir verplanen jede freie
Minute, ob privat oder beruflich: wir optimieren uns immer weiter. Die
Kehrseite davon ist eine rasant wachsende Zahl an Burnout-Patienten.
Eine von ihnen ist Miriam Meckel. Sie litt an einem Burnout und hat nun
in einem Buch analysiert was geschieht, wenn wir ständig unterwegs sind
und permanent kommunizieren. Ihr Fazit:"Ich habe lernen müssen, dass
die eigenen Bedürfnisse genauso viel wert sind wie die Bedürfnisse
anderer."
Zwischen
Burn-out und Hartz IV - Der neue Arbeitskampf "Arbeitssammler,
Jobnomaden, Berufsartisten" lautet der Titel des Buches von Peter
Plöger. Im Interview spricht er über die neue Arbeitswelt und
ihre Folgen: Aus Vollzeit wird Teilzeit, aus "lebenslänglich" wird
"befristet" und aus Sicherheit wird "Flexibilität". Was oft genug
bedeutet, dass die Arbeitnehmer flexibel, die Arbeitgeber hingegen
schlicht unberechenbar sind - und niemals umgekehrt. Eine neue Art von
Leibeigenschaft, die wohl nur deshalb möglich ist, weil die
Alternative Arbeitslosigkeit lautet.
Immer
mehr befristete Arbeitsplätze Während
es den arbeitslosen Landarbeiter einst in die Stadt trieb, wo er im
Zeitalter der Industrialisierung zum Proletarier wurde und ihm der
industrielle Fortschritt eine Vollzeitstelle bis zur Rente bot, so
hangelt sich der "spätmoderne Arbeitsnomade" von Praktikum zu Praktikum
oder von Job zu Job. Die Zahl fester, sicherer Arbeitsplätze wird immer
geringer. Dafür aber steigt die Zahl der prekären, der befristeten
Stellen. Inzwischen ist jede 10.
Stelle in Deutschland nur noch befristet. Und das stößt bei immer mehr
Psychologen auf Kritik, die eine wachsende Anzahl "Burn-out"-Patienten
behandeln.
Fast
Forward - Auf dem Weg in die Nonstop-Gesellschaft Wer
auf der
Höhe der Zeit bleiben will, muss mit ihr Schritt halten. Informationen
gehen in "Echtzeit" um die Welt. Nachrichten, Märkte, Angebote - alles
gilt es zugleich im Auge zu behalten. Ob an der Börse oder bei Ebay:
Der Zeitspielraum schrumpft auf den Augenblick, es geht um das perfekte
Timing. Ein Auftraggeber will, dass das bestellte System sofort
geliefert und in drei statt bisher zehn Tagen eingeführt wird.
Firmenchefs müssen Rendite bringen, möglichst sofort und nicht in
ferner Zukunft. So tickt das System, das uns gleichzeitig zu unserem
Wohlstand verhilft.
Kultur der Entschleunigung - Gesellschaft
der
Beschleunigung Heute versuchen moderne Menschen Zeit
zu sparen.
In Wahrheit werden die Menschen um ihre Zeit betrogen - während sie
versuchen Zeit für später zu sparen, vergessen sie, im Jetzt zu leben.
Denn Zeit kann man nicht sparen, wie z. B. Geld. Je mehr man versucht,
Zeit zu sparen, desto kürzer werden die Tage und Wochen. Unsere heutige
Kultur, in der das ganze Leben dem Streben nach Nützlichkeit und
Wachstum untergeordnet ist, dem Streben nach abstraktem zukünftigen
Gewinn, ist eng mit dem heutigen Zeitbegriff verbunden.
Der beschleunigte Blick nach vorn Die
Beobachtung, dass sich in
kapitalistischen Gesellschaftsformen eine bedrohliche Veränderung
vollzieht, wurde schon von Marx erkannt, in dem er schreibt:"Alles
Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht." Dass
diese Entweihung und Verdampfung kein Prozess von vorindustrieller
Dauer war, sondern noch immer ist und mit verstärkter Kraft in der
Moderne wütet, soll an der Beschleunigungstheorie von Hartmut Rosa
offen gelegt werden. Das Verlangen, alles in Bewegung zu versetzen, das
materielle, das soziale und das geistige Universum, ist ein Grundmotiv
der Moderne; es beherrscht uns in nahezu allen
Lebensäusserungen.
Karierrestress
schon bei den Kleinen Ein voller Terminkalender:
Vorschule,
Tennis, Schwimmen, Englischkurs - ist das nicht zu viel für einen
Fünfjährigen, der sogar in den Ferien Kurse besucht? Dieser Beitrag
porträtiert Familien, die ihre Kinder schon lange vor dem Eintritt in
die Schule fördern und fordern. Bilinguale Kindergärten, Musikschule,
Geige lernen, Malkurs, Tennis, Schwimmen - für Arthur und Philipp (6),
Tim (5), und Stella (3) gehört das dazu. Der Beitrag gibt einen
Einblick in den Alltag der Familien auf dem schmalen Grat zwischen
Förderung und Überforderung.
Burnout -
Arbeiten
bis zum Umfallen Die Leistungsgesellschaft und die
ökonomische
Krise
erzeugen einen immensen Druck auf die Arbeitnehmer. Die müssen auf der
einen Seite flexibel, engagiert, motiviert sein, um Höchstleistungen
erbringen zu können, auf der anderen Seite müssen sie sich oft mit
prekären Arbeitsverhältnissen und Lohnpolitiken abfinden. Kaum
verwunderlich, dass Angst- und Depressionserkrankungen zunehmen, dass
immer mehr Ratgeber den Buchmarkt erobern, die angeblich zeigen, wie
man mit dem Druck zurecht kommt. Der Arbeitssoziologe Professor G.
Günter Voß zeigt politische und ökonomische Ursachen dieses
gefährlichen Trends auf.
Beschleunigung versus Verlangsamung Die
moderne Gesellschaft ist durch eine kontinuierliche Veränderung ihrer
Zeitstrukturen gekennzeichnet. Das Hauptmerkmal dieser Veränderung ist
die Beschleunigung von Prozessen und Veränderungsraten und die
Verkürzung der Zeithorizonte. Dabei geht es um das Phänomen, dass wir
heute einerseits in vielen Bereichen durch effiziente Vorgänge und neue
Technologien Zeit sparen. Trotzdem haben wir das Gefühl, dass unsere
freie Zeit schwindet. Die Folge ist eine, in der Geschichte der
Menschheit noch nie dagewesene, unerhörte Erhöhung unseres Lebenstempos.
Entfremdung
im Zeitalter der Eilkrankheit Wer sich Welt und
Leben aneignen
will, muss sich Zeit lassen, muss sich Dinge anverwandeln. Wir eignen
uns die Dinge aber nicht mehr an, wir kaufen sie. Tatsächlich
verwechseln wir kollektiv und individuell längst kaufen mit
konsumieren. Wann haben wir denn ein Produkt konsumiert? Doch nicht
durch den Kauf. Ein Buch haben wir konsumiert, wenn wir es gelesen,
eine DVD, wenn wir sie gesehen, und eine CD, wenn wir sie gehört haben
und Kleidungsstücke oder Schuhe, wenn wir sie getragen haben. In diesem
Sinne aber sinken unsere Konsumraten ständig ab: Wir konsumieren immer
weniger, wir kaufen immer mehr.
Vom Umgang mit der
Zeit In
der Hitliste des Alltagsstresses steht der berufliche Bereich an erster
Stelle, gefolgt von Straßenverkehr, Lärm, Einkaufen, Partnerschaft.
Nicht umsonst wird Stress als Seuche des 20.Jahrhunderts bezeichnet,
leidet doch jeder Deutsche mindestens einmal wöchentlich unter
Stressfaktoren. Man kann sich einen durch Arbeit verursachten
psychischen Kollaps wie einen Infarkt vorstellen. Nur dass es nicht das
Herz ist, das das geforderte Tempo nicht mehr hält, sondern die Seele.
Wie die Herzleiden haben sich die psychischen Gebrechen zu modernen
Volkskrankheiten entwickelt. Der Burn-out wird zur Volkskrankheit.
Woran liegt das? Eine Erkundung in der Arbeitswelt.
Vom
Nutzen des Nichtstuns Urlaubszeit, Ferienzeit - Zeit
zum
Abschalten. Den ganzen Arbeitskram hinter sich lassen und die Seele
baumeln lassen. Oder im Gegenteil, den Körper nach all der Büroarbeit
auf Trab zu bringen mit Trekking im Himalaya oder mit dem Wohnmobil
einmal durch die USA. Die moderne Gesellschaft wolle keine
Zeit
verschwenden, meint der Zeitforscher Hartmut Rosa. Was geht ohne Muße
verloren? Wirkliche Kreativität entsteht nur dort, wo es auch einen
Überschuss an Zeit gibt, wo es zweckfreie Räume gibt. Außerdem
verschwinden Regenerationsmöglichkeiten. Menschen schwer fällt es
schwer, abzuschalten oder runterzukommen.
Ausstieg
aus dem
Hamsterrad Viele haben
oft keine Zeit und hetzen von einem Termin zum anderen. Andere
vergessen die Zeit, kommen zu spät, gelten als unzuverlässig. E-Mails,
Smartphones und das Internet führen dann entweder zu noch mehr Chaos
oder einem Leben im Standby-Modus: allzeit bereit, immer erreichbar,
aber auch gestresst, ohne Zeit zum Abschalten und Auftanken. Spätestens
dann ist es Zeit, sein Leben zu entschleunigen. Ein gutes
Zeitmanagement kann helfen und es kann in Kursen und Seminaren erlernt
werden. Doch das Sortieren von Terminen in wichtig und unwichtig stößt
auch an Grenzen. Zum Entschleunigen gehört mehr als ein paar Tage
Auszeit, zum Beispiel die Fähigkeit, "nein" sagen zu können.
Fördert Wachstum die Lebensqualität und das
Glück der
Bürger? "Geld allein macht nicht glücklich" - sagt
der
Volksmund. Der Niedergang der Familie als gesicherte Institution, in
Ehen zusammenzuleben im Guten wie im Bösen, parallel zum Niedergang der
traditionellen Arbeitnehmerrolle, in gesicherten Bahnen von der Lehre
bis zur Rente zu arbeiten, führte auf Seiten der Wirtschaft zu einem
neuen Wachstums- und Beschleunigungsschub, aber auf Seiten der
Individuen hat der Leidensdruck durch Entwurzelung und Zerrissenheit
und dem Verlust des Sicherheitsgefühls dramatisch zugenommen, wie die
hohen Depressions- und Burn-out-Raten belegen. Ohne Wachstum ist vieles
schwierig, aber Wachstum um jeden Preis führt auch in die Irre.
Wenn
der Alltag zum Sprint wird Die Zeit scheint immer schneller
zu vergehen. Moderne Technologien helfen zwar Zeit zu sparen,
beschleunigen aber zugleich manche Lebensvorgänge. Viele Menschen
fühlen sich gehetzt und dauernd unter Druck. Jederzeit und überall gilt
das Prinzip «höher, weiter, schneller». Derzeit arbeiten wir
systematisch daran, die letzten Zeitinseln (Entschleunigungsoasen)
verschwinden zu lassen. Es scheint geradezu paradox, ja sogar pervers,
dass sich mittelalterliche Kulturen 'freie Tage' erlaubten, während
ausgerechnet unsere superreiche Gesellschaft keinen freien Tag mehr
kennt. Auch die Sonntage werden zunehmend von Logik des Kaufens und
Produzierens bestimmt.
Wenn die Jahre rasen Die einen
sind auf der Suche nach der verlorenen Zeit und möchten noch mal 20
sein. Für viele Kinder hingegen fühlt sich die Zeit wie ein unendliches
Meer an; während Berufstätige in der "Rush hour of life" über die viel
zu kleinen Zeitfenster klagen, in die immer mehr Arbeit und
Freizeitaktivitäten hineingestopft werden. In der globalisierten
Gesellschaft mit ihren beschleunigten Zeittakten und
Kommunikationsmöglichkeiten haben viele das Gefühl, dass die Zeit rast.
Rentner und Arbeitslose haben wiederum eine eigene "Zeitrechnung",
entwickeln im Alltag neue Zeitrhythmen und Rituale, bewegen sich
zwischen Langeweile und Un-Ruhestand. Was also bestimmt unser
Zeitempfinden? Wie beeinflusst unser heutiges Arbeits- und Lebenstempo
unsere Zeitwahrnehmung? Und wie verändert sich unser Zeitgefühl, wenn
wir Jahre später zurückblicken?
Ein
Leben kann nur gelingen, wenn der Mensch ausreichend Zeit findet. Man
kann alle Bücher, die es in der Welt gibt, downloaden, fast umsonst
alle Filme angucken usw. Aber das Einzige, was sich nicht steigern
lässt, ist die Zeit. Wir haben trotzdem nur 24 Stunden! Das
Erstaunliche: Vor noch gar nicht so langer Zeit sei dieses moderne,
schnelle Leben als Gewinn an Freiheit, Lebensqualität und Glück
erfahren worden. Diese Freiheitsspielräume werden irgendwann wieder
erodiert werden durch die Beschleunigungszwänge und deshalb trägt die
Beschleunigungslogik nicht mehr zu einer Steigerung von Lebensqualität
bei, sondern zu deren Unterminierung. Das sind Thesen von Prof.
Hartmut Rosa (Schiller Universität Jena), der sich mit zwei Kollegen
aufgemacht hat dieses Problem zu lösen.
Ständig unter Druck - Zeitphänomen Burn-out Zeitdruck
am Arbeitsplatz, mangelnde Wertschätzung durch Vorgesetzte oder
Kollegen, Dauerstress - das sind Begleiterscheinungen der heutigen
Arbeitswelt, die viele kennen: Ob Fußballtrainer, Informatiker, Lehrer
oder Pflegepersonal, immer mehr Menschen stoßen an ihre körperlichen
und psychischen Grenzen. Burn-out lautet die
verbreitete Diagnose eines Erschöpfungszustandes, hinter dem sich nicht
selten eine Depression verbirgt. Wie gelingt die Unterscheidung? Wann
wird Stress zur Krankheit und wie kann man dem vorbeugen? Hatten
frühere Generationen weniger Stress und wer ist heute
Burn-out-gefährdet? Was können Betriebe tun, wie können Mediziner oder
Therapeuten helfen? Genügt eine Pause, eine längere Auszeit, um wieder
aufzutanken oder ist ein innerer und äußerer Richtungswechsel
angebracht?