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Ein Gespräch mit Claus Leggewie (Professor für Politikwissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen,und Leiter das Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen) über die Mechanismen der Politik, die Herausforderung für ein neues Bürgertum, die Formel "Entwicklung statt Wachstum" und Bürger als "Selbst-Helfer".



Claus Leggewie zu Chancen und Risiken in der Wissensgesellschaft ...

»Die Politik schiebt etwas auf die lange Bank. Man schindet Zeit, und die Zeit gibt einem die Möglichkeit, doch noch zu einem soliden Kompromiss zu kommen. Andererseits wird Politik immer kurzlebiger und orientiert sich an der nächsten Wahl, an der nächsten Umfrage. In diesem Widerspruch kann sie nicht länger bleiben.

»Politik muss lernen, im Futur II zu denken. Was müssen wir im Jahr 2011 getan haben werden, damit wir im Jahr 2020 oder 2030 bestimmte negative Entwicklungen vermeiden?

»Mit Wut-Bürgern alleine kann ich keine Politik machen. Da brauche ich Mut-Bürger, die Verantwortung übernehmen und die Aufgaben nicht an "die da oben", an die Politik, an den Staat delegieren.

»Wir fallen in altes nationalstaatliches Denken zurück, und das hängt mit hochgradiger Verunsicherung von Menschen, aber auch von politischen Eliten zusammen.

»Wir brauchen ein Finanzsystem, das sinnvolle Ingenieursideen, unternehmerische Ideen finanziert. Mehr nicht. Wir müssen uns auf die Dinge konzentrieren, die für die Herstellung von Gebrauchsgütern für eine lebenswerte Welt wirklich von Bedeutung sind.

»Es ist heute Mainstream, dass eine ökologische Modernisierung Arbeitsplätze schafft. Dass sie eine andere Art von Wachstum, ich würde sagen: von Entwicklung begünstigt. Es gibt zu viele Vetospieler in unserer Gesellschaft, die am alten Denken festhalten und sich krampfhaft gegen Innovationen dieser Art wehren.